Tod

Was wissen wir
die Trauernden am Ufer
vom Los der Losgelösten
von der Freiheit
der Befreiten
wir die Gebundenen
die Gefangenen
im Schmerz




Als du gingst

Als du gingst
ging die Welt entzwei
ging nichts mehr

als du gingst
ging das Licht aus
gingen die Träume

als du gingst
ging ich meilenweit
über Scherben

ging über dich hinaus
zurück zu mir
als du gingst




Jeder Tod

ein kleiner Weltuntergang
ein Stillstand der Zeit
eine Sonnenfinsternis:
das Erlöschen eines Blicks
das Verstummen einer Stimme
der Stillstand eines Herzens
das Erkalten eines Körpers
ein kleiner Weltuntergang  
ein Stillstand der Zeit

im Wolkenbruch der Trauer
im Adieu im Weitergehen
den Namen fethalten
ihn zum Rückruf
gegen den Himmel werfen




Mitten ins Herz

Es ist die Trauer
die durchtropft
mitten ins Herz

 





Wie oft

holt uns die Erinnerung ein
an erloschene Gesichter
die plötzlich aufleuchten
wie vom Blitzlicht getroffen
lachende Gesichter
auferstanden aus dem Vergessen
Wie oft
holt uns die Erinnerung ein
an Worte und Gesten
an Staunen und Verstummen
an Stirnrunzeln und Zuspruch
zugewandte Gesichter
auferstanden aus dem Vergessen
Wie oft
holt uns die Erinnerung ein
lebt Erloschenes auf
unauslöschlich
in der dahinziehenden Zeit
lebendige Gesichter
auferstanden aus dem Vergessen
Wie oft noch
holt uns die Erinnerung ein
Gesichter aufzuheben
von Gleisen des Vergessens





Eine Email über alle Horizonte
für Hildegard

Lichtpunkte der Erinnerung
sind geblieben von dir
Fußabdrücke auf Wegen
die wir durchwanderten
Spuren rundum in Räumen
Spuren in Bildern
die Geschichten erzählen
der Nachklang vieler Gespräche
Melodien die nie verklingen
im Wachraum der Zeit

(Für Hildegard)
Der Schritt ins neue Jahr

ohne deine Gegenwart
ohne deine Stimme
ohne dich

wie ein Gang ins Leere
wie ein verstellter Weg
ohne dich

der Schritt ins neue Jahr
der zaghaft zögerliche
ohne dich

bis die Trauer verfliegt
bis der Tag sich erhellt
mit dir

 

 

Eines Tages

verflüchtigst du dich
wie ein Traum sich
verflüchtigt am Morgen
eines Tages
wird kein Tag mehr sein
und keine Nacht  für dich
gefüllt mit Träumen
eines Tages
öffnet sich der Horizont
du löst die Riemen der Schuhe
und fliegst davon


Kälter

Es ist kälter geworden
seitdem er fortging
über den Horizont hinaus

seitdem sein Lächeln erloschen
seine Hand nicht mehr spürbar
seine Stimme verstummt

es ist kälter geworden draußen
seitdem lebe ich von der Wärme
unentrinnbarer Erinnerung





Wenn du verstehst

lichtet sich Nebel
vibriert die Luft
ebnen sich Wellen
wächst Gras drüber
entspringen Sterne
deiner Stirn
wenn du verstehst





Im Fortgehen

Da ist etwas
das überlebt
im Fortgehen

Visionen
unverloren
fortgeschrieben





Eine Sonnenblume

an deinem Stein
seit jenem Tag gehört sie
zu dir zu mir
tupft ins Herz mir
die lachende Farbe
der Freundschaft

 



Könnt ich

aufwachen
mit heiterem Herzen
die Leiter angelegt
an das Glück
der Schwerelosigkeit
Verlorenes wiederzufinden
im freien Flug


Nähe

Wenn die Hoffnung erlischt
stehst du allein im Dunkel
es sei denn
jemand erreicht dich
und zündet durch Nähe
ein Licht


Schau

wie das Lachen
sich lehnt an die Trauer
Schulter an Schulter
wie Schwestern
.



Noch ganz Ohr

durch mein Erinnern
tanzt dein
Geigenspiel
bin noch
ganz Ohr

ein Spiel
wie zum Tanz
einer Fee
aufzuheben
die Trauer
vom Boden
der Welt




Für Tote

gibt es keinen Platz mehr
auf dieser Erde
im Schatten unserer Tage
tanzen sie schwerelos
auf der Bühne der Erinnerung
den Tanz der Vollendung





Grabstein

dein Stein
mein Jakobsstein
der Träume weckt
von der Leiter zum Himmel
die du bestiegen





Für Dich

erfinde ich
einen Platz im Himmel
deine Seele geborgen in Gott
deine Sehnsucht gestillt
dein Suchen erfüllt
sicher aufgehoben
unter den Flügeln
vertrauter Engel
aus Erdentagen
aus deinen Gebeten
sind Psalme gewachsen
in neuer Sprache
in der Schrift der Sterne
die mir Grüße funken
bei Nacht




Nie mehr zu Zweit

immer allein
wo immer du stehst
immer leer
der Platz neben dir
immer stumm
das Bild an der Wand
immer beredt
die warme Erinnerung

Die stille Feier

draußen im Freien
girlandengeschmückt der Stein
mit deinem Namen
vier Rosen für dich
vier Rosen
die in der Sprache
der Sprachlosigkeit
dir Vielsagendes
herübertragen

 

Leon

dein kleines Licht
an Großvaters Grab
dringt durch
in andere Welten
dein kleines Licht
erhellt die Erinnerung
hält sie fest für
viele Tage

Die Fahrt ins Erinnern

die Fahrt zu dir
zum Geburtstag ans Grab
eine Fahrt ins Erinnern

wo Zeit und Raum zerfließen
bleibt unauflösbar
ein Lächeln ein Gruß
eine Geste ein Wort
bleibt ein Gegenüber
deutlicher denn je

 


Was der Tod uns antut

ist nicht zu fassen
er sagt Schluss
und Ende und Aus
er ist unerbittlich
lässt keine Fragen zu

doch hinter dem Schluss
hinter dem Ende und Aus
erkennt ein sehendes Auge
hinter den Fragen ein Tor
das de
n Himmel erschließt



Nicht versinken

im Sog
der Trauer
mit klarer Stirn
Ziele ausmachen
die dich weiter tragen

 

Nach dem Verlust

zurückgeworfen
auf dich selbst
zurückgefallen
in ein Inselland
neue Horizonte
auszuloten

 

Neue Tage

ersteigen wie Berge
vertraut die Uhr
der Rucksack
die Schuhe
vertraut die Erde
der Horizont
vertraut dein Gesicht
unauflösbar
hinter  Nebeln

 

Wie eine Sanduhr

das Leben
zwischen Himmel und Erde
eingefangen die Zeit
die zerrinnende
Fassbares festzuhalten
im Fortfließen

 

Kein Hand-in-Hand mehr

nie wieder werden wir
Hand-in-Hand gehen
auf Wegen am Wasser
nie wieder werden wir
nebeneinander radeln
durch goldgelben Raps
nie wieder werden wir
Horizonte ermessen
mit staunendem Blick
nie wieder werden wir
uns erspüren
mit warmer Hand
nie wieder werden wir
miteinander spinnen
aus Gedanken ein Netz
nie wieder werden wir
neue Ziele ausmachen
weil du schon am Ziel bist

 

In den Nächten

bist du da wie eh und je
nah und gegenwärtig
tauchst auf in den Träumen
wagst den weiten Weg zu mir
von anderswoher
bist mir nah wie eh und je
im Lächeln dem vertrauten
in Schritten auf mich zu
mühelos inmitten der Nacht

 

Sterbesegen

Es sei mit dir
der Segen Gottes
dir zu helfen
dich zu trösten
deinen Schmerz zu lindern
dich festzuhalten
dich zu umarmen
dich zu umhüllen
mit Frieden

 

in memoriam

dein Platz mir gegenüber
er bleibt gedeckt
Tasse und Teller und Glas
dein Besteck bleibt
die Serviette
alles bleibt wie es ist
wie es immer war
mir gegenüber am Tisch
alles bleibt
solange mein Erinnern bleibt
solange Freunde
deinen Platz einnehmen
zum Zwiegespräch

 

 

In den Nächten

bist du da
wie eh und je
nah und gegenwärtig
tauchst auf in den Träumen
wagst den weiten Weg zu mir
von anderswoher
bist mir nah
wie eh und je
im Lächeln dem vertrauten
nah in Schritten auf mich zu
mühelos inmitten der Nacht

 

 

Der Tod

Wie er ein Ende setzt
unwiderruflich
wie er trennt
was unzertrennlich
wie er halbiert
was ganz war
wie er weiterzieht
als sei nichts geschehen
wie er mit kalter Hand
einen neuen Horzont aufreißt
nach dem Einsturz aller Horizonte

 

 

Sag adieu

mitten am Tag
sei allem Abschied voraus
sag adieu im Stehen
im Weitergehen
in Sprüngen
über dich hinaus


Sich häuten

Von Abschied
zu Abschied
sich häuten
zum Sein

 

Adieu

Drüben
jenseits der Gleise
deine Silhouette
wir warten und winken
winken und warten
auf Züge
die uns fortziehen
zu neuen Zielen

 

Nach Brüchen

nach Beben
Bruchstücke Gold
im Gesiebe

 

  
Den Tod deuten

als zum Ziel kommen
in der Zeitlosigkeit

nach ewigem Einerlei
die ewige Fülle

 

 

Diese Kunst:

Im Gehen zu bleiben
im Bleiben zu gehen
sich zu orten
wo kein Bleibeort

 

Wenn es gelingt

die Trauer
zu tauchen
ins Lächeln

wenn es gelingt

die Trauer
zu locken
ins Licht

wenn es gelingt

die Trauer
zu verwandeln
in Leben

was
wenn es gelingt


So viel Trauer

hängt in der Luft
dass dich Lähmung trifft
dass dir das Atmen schwer fällt
dass du weinst mit denen
die weinen
dass du Trost suchst
mit den Trostlosen
dass du dich verloren fühlst
mit den Verlorenen



Wunden vernarben

Narben verblassen
unter der Zeit
der schwerelosen
die stillschweigend
Schwergewichtiges
aufhebt vom Boden

 

Die Kunst zu feiern

die späte Lebenszeit
als Sabbat feiern
aufhören dürfen
aufhören können
das Leben
aufgehen lassen
in der Kunst
Sabbat zu feiern

 

Bodenständig

In den Ästen der Birke
wohnt meine Trauer
versteckt
im frischen Grün
leise bewegt
vom Wind
kein Sturm
fegt sie herunter
auf den Boden
sie wird nicht
bodenständig

 

 

 

 

Ich glaube

an eine Bleibe
hinter dem Horizont
wohin kein Weh mich verfolgt
wo keine Sorge mich lähmt
wo keine Trauer mich drückt

ich glaube an eine Bleibe für mich
unter einem anderen Himmel
befreit von Erdenschwere
auferstanden aus Asche

Ich glaube an Siege über den Tod
ich glaube solange ich glauben kann
an etwas ganz Neues
das noch kein Auge gesehen
kein Ohr erhorcht
keine Stimme besungen hat

ich glaube
über das Leben hinaus ans Leben




Die Zeit mit Dir
(
Hanne)

voll Licht und Lachen
voll Sonne und Meer 
weit unterwegs
an Stränden der Zeit
unsere Rast
buchein buchaus
an Ufern der Philosophie
dein Pinselstrich
in Farbe zu setzen die Welt
mein Wortspiel zu enträtseln
den Gang der Dinge
die Zeit mit Dir
wie ein Märchen auferstanden
aus deinem Verstummen



Barbara
nichts ist gut   sagst du
ich möcht noch nicht sterben
ich bin noch zu jung
weshalb  wieso  warum
mir schwimmt das Leben davon
die Krankheit zieht mich fort
zu unvertrauten Ufern

ich weiß   alles ist gut
da ist eine Insel draußen
auf die ich zutreibe ich weiß
eine Insel hinter den Inseln
meiner vertrauten Welt
eine Insel  die  Menschen
auffängt mit Engel-Armen
einen Jeden zu seiner Zeit




Die Grenze

wo es kein Zurück mehr gibt
wo du am Ziel bist
wo Gestriges verblasst
wo es  aufgefangen wird
hinter der Grenze
des Vergänglichen




Heute

sind meiner Trauer
Flügel gewachsen
sie springt mich
nicht mehr an
aus dem Versteck
sie beißt sich
nicht mehr fest
in meinen Gedanken
sie verdunkelt nicht
länger meinen Tag
Heute
sind meiner Trauer
Flügel gewachsen
aufzuheben den Schmerz




Eines Tages

öffnet sich das große Tor
am Horizont
du gehst hindurch
auf leisen Sohlen
s
chließt die Augen zur Welt
erkennst was du geglaubt
wohnst unter Flügeln
eines Tages
bleibt nichts bleibt alles
bleiben unsichtbare Fäden
die du
im Leben gesponnen




Und am Ende

bleibt ein kleines Spalier
von Menschen die Halt geben
auf allerletzten Wegen
bleibt ein kleines Spalier
von Gedanken von Tönen
die dich aufrichten
mitten im Zusammenbruch
 


Kein Bleiben

Ich weiß
Abschied ist angesagt
es gibt kein Bleiben
die Dinge nehmen ihren Lauf
Strömungen wechseln
das Gestern verblasst
unter neuen Farben
Vergangenes verschwimmt
im Wellengang der Zeit
ich weiß   was bleibt
blüht auf im Verborgenen
belebt deinen Tag deine Nacht
bricht sich Bahn in neue Breiten




Wieder auftauen

aus der Kälte der Trauer
das Schwarz löschen
aus  dem Bild des Tages
aus Perlen kostbarer Erinnerung
eine Kette aufziehen
dir Trost zu zaubern aus Tränen
sich  anvertrauen
dem warmen Wind des Neuanfangs

 


Weil nichts mehr geht

weint sie sich die Seele 
aus dem leibe
weint sie alle Tränen der Welt
nach einem langen Leben
weil alle Dämme gebrochen
alle Worte verweht
alle Erinnerung überspült
weint sie ein Meer zusammen
in das sie versinkt
weil nichts mehr geht

 

                                                            

Dein Sturz aus dem Leben

dein Sturz ins Nichts von jetzt auf gleich
du hältst dich fest  an letzten Leinen
kämpfst gegen das Chaos im Kopf
suchst verzweifelt nach Halt im Fallen
hängst zwischen Himmel und Erde
tage- stunden- minutenlang
dein Sturz in  den Fluss
deiner unversiegbaren Hoffnung

Am Grab

 Bald wird der Rosenstock
erblühen für Dich
er steht in vollen Knospen
Farbe die Fülle
wird um Dich sein
wie mein Erinnern
gefüllt ist von Farben

 


Auf Scherben

Mit nackten Füßen
auf Scherben stehen

mit zitternden Händen
die Splitter ziehen

mit blutendem Herzen
beschwören das Heil



Trauer

hebt den Lauf
der Dinge nicht auf
nicht den Tag
nicht die Nacht
nicht den Vogelsang
die aufspringende Blüte
und das Lachen der Kinder
Trauer
die schwarze Wolke
die dich wortlos
für eine Weile
meilenweit
dem Leben
entrückt




Leid und Freud

Wie Nacht und Tag
stehen Freud und Leid
nebeneinander
lösen sich ab
wie Töne im Lied
fließen ineinander über
berühren sich
überspringen sich
wie Steine im Spiel
bleiben im Wechsel
unverwechselbar
wie Tag und Nacht


Ein schwerer Tag

ein guter Tag
die Freundin wird
zu Grab getragen
so viel Erinnern
im Vergessen
so viel Licht
im Erlöschen
so viel Klang
im Verklingen
so viel  Aufblühen
unter Frost
ein schwerer Tag
ein guter Tag
Guten Morgen
ruft das Leben
Gute Nacht

 


Dem Schmerz

eine Sprache geben
ihn einfangen
in Worte des Trostes
in Gedanken
die dich tragen
über die Tiefen der Trauer

Abschied

wo kann ich dich suchen
wo kann ich dich finden
heute am Tag
ich weiß dich in Himmelsferne
ich weiß dich immer noch nah
wo bist du hingegangen
fprt von hier
auf leisen Sohlen
kein Gruß kein Handschlag mehr
und keine Umarmung
nur Gedanken holen dich ein
nur Gebete öffnen den Horizont
den weiten den du durchschritten



(Für Peter P.)

so weit fort
und immer noch nah
so nah und endlos fern
wer misst die Meilen
zwischen Tod und Leben
wer weiß um Trost
der meilenweit trägt


Stiller Abschied von Peter
9.1. 07 11:00 Uhr
(Für Berni )

In diesem Augenblick
bist du ein allerletztes Mal
von Freunden umringt
sie sind verstummt
gebannt ins Endgültige
sie lauschen den Klängen
der Musik die du liebtest
die dich hochheben wird
weit über den Horizont hinaus
sie lauschen den Worten
die dich zärtlich festhalten
die dich nicht freigeben
dem Vergessen

 


Mit jedem Menschen

geht eine Welt unter im Tod
ins Endgültige fällt
das Vergängliche
ins Unendliche
das Endliche
im Ewigen wohnt das Licht
das im Zeitlichen sich bricht



Alle die Tränen

die um dich geweinten
versiegten unter der Sonne
der wärmenden
verwandelten sich
in Perlen der Erinnerung


Und eines Tages

holt der Himmel dich ein
Wolken wandern ins Blaue
Vogelschwärme fliegen davon
Schwäne ziehen weiter ihre Bahn
der Baum verharrt in stummer Geste
Vertrautes verklingt im letzten Lied
Flüsse verlieren sich in die Meere
wenn der Himmel dich einholt
im Lauf um die Welt



Wie ein verlorenes Wort

suche ich dich
wie einen Ton
aus der Flöte gefallen
wie einen Reim
der sich davongeschlichen
immerzu suche ich dich
und finde im Schatten des Glücks
nichts als den Schmerz




Li
ebeslied

Als ich dir heute nah war
nach all dem Regen
lachte plötzlich die Sonne
wärmte mein Gesicht
und auch das deine
so fühlbar
wie in Zeiten zuvor



Über die Brücke

hinüber ins neue Jahr
ein leises Adieu zurück
ein Winken ein Lächeln
ein Erinnern das dir bleibt
als Licht hinter der Trauer



Kleine Schattenpflanze

Hoffnung
in jeder Dunkelheit
wächst du mir zu
nimmst mich mit
über den Berg
mit deinerm Blühen



Am Ende

WIR WERDEN AM ENDE
VERSTEHEN DAS GANZE
NACH DER LETZTEN ZEILE DAS GEDICHT
iM BANNKREIS DES TODES
DAS LEBEN

 

Für Päule A.

du bist gegangen
von hier nach dort
bist angekommen
am Ziel der Ziele

du bleibst
unvergessen

bleibst gegenwärtig
als Fortgegangener
neu beheimatet
im Grenzenlosen

 

Tag-Traüme

treiben dich weiter
treiben dich
zum Ort der Visionen

zur Vorstellbarkeit
dessen
was unvorstellbar


Wer Abschied wagt

bleibt lebendig
Im lebendigen
Kreislauf des Lebens

Siege

Ich glaube
an Siege über den Tod
Ich glaube
über das Leben hinaus
ans Leben

 

Hoffnung

Frisch gepflückte
Hoffnung
in zaghaften Händen
wohin dich tragen
zum Weiterblühen

 

Trauer

widerruft
nicht das Glück
sich anfreunden
mit Tränen
heißt das Land
der Freude befruchten

 

Rückhalt

angelehnt
an den Himmel

fällst du nicht
ins Nichts

 

Punktum

der Tod
bringt das Leben
auf den Punkt
punktuell
zu erkennen
das volle Leben
zu erhellen
den Leerraum
hinter dem Punkt

 

Wir werden am Ende

verstehen das Ganze
nach der letzten Zeile
das Gedicht
im Bannkreis des Todes
das Leben

Verstehen

wann wirst du loslassen
aufbrechen ins Ureigene
dich selbst übersteigen
ins Verstehen

 

Dem Vater

Am hundertsten Geburtstag
Begegnung am Grab
wer ist es der lebt
was macht lebendig die Toten
was lähmt die Lebenden

 

Abschied von K.W.

Und
zuletzt
die
gelöste
Hand
frei
zu
umfassen
den
Himmel

 

Stunden wie diese

Blicke
von Ufer zu Ufer
Verstehen
von Antenne zu Antenne
ein Ja zum Leben
im Bannkreis des Todes
Stunden wie diese

 

Trauer und Glück

überwintern
ins Zukünftige
bleiben ewig bewahrt
dem Menschengeschlecht

 

Alles bleibt

Nichts bleibt
im Verbleiben am Fleck
alles bleibt
in der Kraft
entfalteter Flügel

 

Aufbrechen

in ein Neues
des Menschen Schwingen
sind die Träume
des Menschenn Zukunft
lauter leere Räume
dass Du sie füllst

 

Dieser Schmerz

gebannt in ein
Blütenmeer

Duft eines Sommers
eines Lebens

eingefangen
im Abschied

 
Unverletzbares

Möcht mich tragen lassen
vom Wind der Zuversicht
schwerelos werden
unter den Schlägen der Zeit

zentnerschwer dagegen steht
was niederdrückt
was den verletzlichen
Flügelschlag lähmt

doch Unverletzbares
bleibt nicht liegen am Boden

 


Der Pulsschlag der Angst

Stunden im Leerraum
zwischen Himmel und Erde
nicht mehr getragen
vom Fluss der Zeit
blitzscharf
sich überschneidende Bilder
Filme abgespult
in rasender Geschwindigkeit
wer misst
den Pulsschlag der Angst
wer fängt ihn auf
holt ihn zurück
mit ruhiger Hand
in den warmen Herzschlag
geerdeter Stunde

 


Murisa
Der jungen Freundin aus Bosnien

Wenn nichts bleibt
alles verloren ist:
das Land
in dem du geboren
die Stadt das Haus
die Menschen
die Freunde waren
wenn nichts bleibt
als das nackte Leben
in der Fremde
die wehe Erinnerung
an verbrannte Erde
dann braucht es Menschen
wie dich - Murisa
Menschen - die sich selbst
nicht verloren gehen
dann braucht es den Mut
einer starken Frau
Lebensfäden
zu knüpfen nach vorn

 

 

Dein Freund

der schwarze
mit dem weichen Wesen
mit dem Gemüt eines Kindes
mit dem Charme
einer anderen Kultur
der Freund voller Rätsel
der fortging für immer
zu bleiben im Erinnern


 






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